Eine Geschichte über Sturheit, einen Scherz und ein kleines Meisterwerk
Wer jemals durch Ložišća spaziert ist, weiß, dass man vor dem Glockenturm der Kirche St. Johannes und Paulus einfach stehen bleiben muss. Da gibt es nicht viel zu überlegen — das ist einer der schönsten Glockentürme ganz Dalmatiens.
Doch was ihn wirklich besonders macht, ist die Geschichte, wie dieses kleine Dorf überhaupt zu einem so prächtigen Turm gekommen ist.
Alles begann mit dem bekannten Bildhauer und Architekten Ivan Rendić. Als ihn die Dorfbewohner baten, einen Glockenturm für sie zu entwerfen, schickte Rendić ihnen gleich drei Vorschläge. Zwei davon waren ganz schlicht — so, wie sie in den meisten dalmatinischen Dörfern stehen. Aber der dritte? Der sah aus, als wäre er für eine große, reiche Stadt gedacht — man könnte fast sagen, für Venedig.
Denn Rendić liebte den Scherz mehr als alles andere. Er wusste nur zu gut, dass die Leute von Ložišća niemals genug Geld für so ein Projekt haben würden, und fügte diesen prachtvollen Entwurf einfach zum Spaß hinzu.
Doch das Leben hat seine eigenen, oft überraschenden Pläne. Der Pfarrer hängte alle drei Entwürfe an die Kirchentür und ließ das Volk entscheiden. Natürlich wählten sie einstimmig den schönsten, teuersten und kühnsten.
Man sagt, Rendić habe damals nur gelacht und gemeint, sie seien verrückt, weil es weder das Geld noch die Meister auf Brač gäbe, die so etwas bauen könnten.
Und genau da zeigten die Menschen von Ložišća, wie stur sie sein können. Als man ihnen sagte, das ginge nicht, beschlossen sie, es erst recht zu tun — selbst wenn sie dafür alles verpfänden müssten.
Geld war natürlich keines da. Doch da war noch ein wohlhabender Mitbürger, Dr. Mihovil Nazor, der in sein Dorf zurückgekehrt war, um seinen Ruhestand zu genießen. Er lieh die ganze Summe, verlangte nur, dass sie ihm die Schulden irgendwann aus den Erlösen des Weins zurückzahlten — wobei er insgeheim gar nicht damit rechnete, das Geld je wiederzusehen.
Der Bau begann 1884 und dauerte bis 1889. Und wie das in guten Geschichten so ist, lief natürlich nicht alles glatt. Der erste Baumeister gab bald auf, weil das Projekt zu anspruchsvoll war. Lange fand sich niemand, der weitermachen wollte.
Schließlich meldete sich ein junger Steinmetz aus einem nahegelegenen Steinbruch, der sich in ein Mädchen aus Ložišća verliebt und sie geheiratet hatte. Die Dorfbewohner waren skeptisch. Wie sollte dieser junge Mann mit so wenig Erfahrung etwas schaffen, worauf selbst Venedig neidisch wäre?
Doch die Jugend hat ihren eigenen Eifer. Tag und Nacht studierte er jeden Stein, folgte Rendićs Plänen bis ins kleinste Detail. Am Ende gelang es ihm. Der Glockenturm stand, stolz und prächtig, und die Schulden wurden über die Jahre mit Fässern Wein und Kellern voller Olivenöl beglichen.
Heute, wenn man vor diesem Turm steht, kennt man vielleicht nicht die ganze Geschichte. Aber eines sollte man wissen — dieser Turm ist nicht nur Stein und Mörtel. Er ist der Beweis dafür, dass Träume wahr werden können, selbst wenn alle sagen, das sei unmöglich.
Und vielleicht genau deshalb dürfen die Menschen von Ložišća so stolz darauf sein, dass ihr kleines Dorf einen Glockenturm hat, für den sich nicht einmal Venedig schämen müsste. Ein echtes kleines dalmatinisches Meisterwerk, gebaut aus Sturheit, Zusammenhalt und — ein klein wenig — aus Trotz gegenüber allen, die je sagten: „Das geht nicht".
