Im vergangenen Jahr wurde ein Ort auf Brač immer häufiger erwähnt, wenn über die Gastronomie der Insel gesprochen wurde. Fast jedes Gespräch über gutes Essen auf Brač endet früher oder später mit derselben Frage: „Wart ihr schon bei Senjković?“
Nachdem wir monatelang begeisterte Eindrücke von Freunden und Gästen gehört hatten, wollten wir selbst herausfinden, ob all diese Lobeshymnen wirklich verdient sind.
Essensführer für Brač: 50+ Gerichte und Zutaten, die du probieren musst
Unser Abend in der Weinbar Senjković hat uns gezeigt: Sie sind es. Nach einigen Stunden dort verstanden wir vollkommen, warum so viele Gäste immer wieder zurückkehren.
Warum der Weinbar Senjković anders ist als andere Restaurants auf Brač
Die Weinbar Senjković ist kein klassisches Restaurant und kein Ort, an den man einfach nur zum Essen kommt. Dahinter steht die Familie Senjković, die auf Brač eigene Weine produziert und in der Küche Gerichte zubereitet, die von der Insel, lokalen Zutaten und den Jahreszeiten inspiriert sind.
Der Ort bietet zwei unterschiedliche gastronomische Erlebnisse. Das erste ist Walk In: Hier kann man spontan ohne Reservierung auf ein Glas Wein und mehrere Gerichte zum Teilen vorbeikommen. Das zweite ist Wine Dalming, ein mehrgängiges Degustationsmenü mit abgestimmten Weinen, für das eine vorherige Reservierung erforderlich ist.
Wir haben uns dieses Mal für das Walk In Erlebnis entschieden. Schon nach den ersten Minuten war uns aber klar, dass wir eines Tages auch wegen des Wine Dalming Erlebnisses zurückkommen möchten.
Alles spielt sich im Herzen von Nerežišća ab, dem ehemaligen Hauptort der Insel Brač. Steinhäuser, ein ruhiger Dorfplatz und ein langsamerer Lebensrhythmus bilden einen starken Kontrast zu den lebhaften Küstenorten während der Sommermonate.
Die Terrasse der Weinbar blickt direkt auf die kleine Kirche St. Peter und Paul, auf deren Dach einer der ungewöhnlichsten Bäume der Welt wächst – der berühmte Brač Kiefern-Bonsai. Allein dieser Anblick macht den Abend noch besonderer.
Unser erster Eindruck: Eine volle Terrasse, aber keine Hektik
Wir kamen kurz vor 20 Uhr ohne Reservierung an, und schon zu diesem Zeitpunkt waren fast alle Tische besetzt. Wir dachten, dass die Atmosphäre wahrscheinlich laut und hektisch sein würde, aber genau das Gegenteil war der Fall.
Die Terrasse war voller Menschen, trotzdem wirkte alles entspannt. An jedem Tisch wurde bei einem Glas Wein und kleinen Gerichten, die regelmäßig aus der Küche kamen, angeregt gesprochen. Es gab keine Eile und nicht das Gefühl, dass jemand den Tisch schnell wieder frei machen möchte.
Wir entschieden uns für einen der freien Tische, der aus einem alten Holzfass gefertigt wurde – ein kleines, charmantes Detail, das perfekt zur Atmosphäre der Terrasse passt.
Saša begrüßt uns und ein Glas Wein zum Start
Kurz nach unserer Ankunft kam der Besitzer und Winzer Saša zu uns. Ohne große Inszenierung, ganz natürlich und herzlich, begrüßte er uns.
In einem kurzen Gespräch fragten wir ihn, welchen Wein er uns passend zu unserem Geschmack empfehlen würde. Seine Antwort kam ohne zu zögern: Pošip Sentiment.
Es handelt sich um eine frische Interpretation des Pošip, die hervorragend ausbalanciert ist. In der Nase dominieren fruchtige Noten von Pfirsich und Aprikose, während am Gaumen eine schöne Frische, eine harmonische Balance und eine angenehme Fülle überzeugen. Genau der Wein, den man an warmen Sommerabenden genießen möchte – und der wunderbar zu den Gerichten passt.
Während wir die handgeschriebene Speisekarte studierten, kam auch ihr Sohn, der als Kellner arbeitet, an unseren Tisch. Er brachte uns eine Flasche kaltes Wasser und Gläser, damit wir uns vor dem Essen erfrischen konnten.
Solche Details mögen klein erscheinen, aber genau sie vermitteln das Gefühl, bei jemandem zu Gast zu sein und nicht einfach nur in einem Restaurant zu sitzen.
Eine Speisekarte, die nicht beeindrucken möchte – und es trotzdem schafft
Die Speisekarte ist handgeschrieben und umfasst gerade einmal zwei Seiten. Auf den ersten Blick wirkt sie einfach, doch nach den ersten Gerichten merkt man schnell, dass hinter jedem einzelnen Punkt viel Überlegung steckt.
Auf der Karte finden sich Fisch-, Fleisch- und vegetarische Gerichte sowie kalte und warme Speisen. Gemeinsam haben sie eines: lokale, saisonale und frische Zutaten.
Olivenöl aus Brač: Ein kulinarisches Erlebnis, das Sie ausprobieren sollten
Keine unnötige Komplexität und keine langen Erklärungen. Das Essen spricht für sich selbst.
Die ersten Bissen, die uns überzeugt haben
Als Vorspeise entschieden wir uns für eine Platte mit Bračer Käse und Garnelen-Pâté.
Brač ist bekannt für seine Schafe, sein Lammfleisch und seinen Schafskäse – deshalb war dies für uns der perfekte Beginn des Abends.

Der Käse war hervorragend. Würzig, aromatisch und voller Charakter, der von der Milch der Schafe stammt, die frei auf der Insel grasen und sich von den aromatischen Kräutern der Landschaft ernähren.
Noch mehr begeistert haben uns jedoch die kleinen Details. Zum Käse wurden zwei hausgemachte Marmeladen serviert, besonders in Erinnerung bleibt uns jene aus wilder Orange und Senf. Die Frische der Zitrusfrüchte, eine leichte Süße und die charakteristische Schärfe des Senfs ergaben eine völlig unerwartete Kombination. Eine wahre Geschmacksexplosion, die uns dazu brachte, jedes weitere Stück Käse mit noch etwas mehr Marmelade zu probieren.
Das zweite Detail, das wir nicht vergessen können, waren die hausgemachten Mandeln. Das sind Mandeln, die nach dem alten Brač duften. Ihr Geschmack und ihr Aroma versetzten uns sofort zurück in die Kindheit – in eine Zeit, als sich die Insel im frühen Frühling mit blühenden Mandelbäumen weiß färbte.
Das Garnelen-Pâté wurde mit ausgezeichnetem Sauerteigbrot serviert, verfeinert mit Schweineschmalz. Eine Kombination, die man vielleicht nicht erwarten würde, die dem Gericht aber zusätzliche Tiefe und Fülle verlieh.
Zusammen mit einem Glas Sentiment hätten wir uns kaum einen besseren Start in den Abend vorstellen können.
Der Pulled-Lamb-Strudel, wegen dem wir zurückkommen werden
Nach den ersten Gerichten fiel unser Blick erneut auf die Speisekarte. Ein Gericht hatte sofort unsere Aufmerksamkeit geweckt: Pulled-Lamb-Strudel.
Die Kombination aus Bračer Lammfleisch und Strudel klang ungewöhnlich genug, dass wir es einfach bestellen mussten.
Als der Strudel schließlich auf den Tisch kam, war schon der erste Eindruck vielversprechend.
Die knusprigen, dünnen und leichten Teigschichten verbargen langsam geschmortes Bračer Lammfleisch, das unter der Gabel förmlich zerfiel.

Das Lamm hatte eine leicht süßliche Note und erinnerte uns an Pašticada, war gleichzeitig aber so eigenständig und originell, dass wir es mit nichts vergleichen konnten, was wir bisher probiert hatten.
Eine moderne Interpretation der gastronomischen Tradition von Brač. Wir können ohne Übertreibung sagen: Dieses Gericht gehört zu den besten, die wir auf Brač gegessen haben.
Wenn ihr den Pulled-Lamb-Strudel auf der handgeschriebenen Karte entdeckt, überlegt nicht lange. Bestellt ihn.
Pasta mit Blaukrabbe
Das vierte Gericht, das wir gewählt haben, war hausgemachte Pasta mit Blaukrabbe. Zugegeben: Besonders neugierig waren wir auf die Zutat selbst.
Die Blaukrabbe ist in den vergangenen Jahren zu einer neuen invasiven Art in der Adria geworden. Gleichzeitig hatten wir gehört, dass sie eine außergewöhnlich schmackhafte Delikatesse aus dem Meer ist.
Die hausgemachte Pasta war perfekt gekocht, während die reichhaltige Sauce mit vielen Stücken Blaukrabbenfleisch ihr einen intensiven, aber sehr eleganten Geschmack verlieh.

Die Portion eignet sich ideal zum Teilen zu zweit – besonders wenn man zuvor mehrere kleinere Gerichte probieren möchte.
Warum wir all die Fünf-Sterne-Bewertungen verstehen
Die vielen hervorragenden Bewertungen der Weinbar Senjković auf Google und anderen Plattformen überraschen uns nach diesem Abend überhaupt nicht.
Es geht nicht nur um das Essen und auch nicht nur um den Wein. Der Unterschied liegt im gesamten Erlebnis und in den Menschen dahinter. Von Saša, der als Besitzer jeden Gast persönlich begrüßt und ehrliche Empfehlungen gibt, über seine Frau Magdalena, die kreativ die Küche führt, bis hin zum jungen Sohn, der beim Service hilft. Alles wirkt natürlich, unaufdringlich und ehrlich.
Man hat nicht das Gefühl, in ein Restaurant gekommen zu sein, das unbedingt beeindrucken oder ein bestimmtes Image verkaufen möchte. Vielmehr fühlt es sich an, als wäre man bei guten Freunden zu Gast, die ihre Weine, ihre Insel und ihre Küche mit echter Leidenschaft teilen möchten.
Lohnt sich ein Besuch im Weinbar Senjković?
Auf Brač gibt es viele ausgezeichnete Restaurants und traditionelle Konobas, und jedes hat seine eigene Geschichte. Aber nur wenige Orte bleiben noch Jahre nach der Rückkehr nach Hause in Erinnerung – und für uns gehört die Weinbar Senjković definitiv dazu.
Wo man auf Brač essen sollte: 10 Restaurants, die du nicht verpassen darfst
Wenn ihr einen Ort sucht, an dem ihr hervorragende Weine von Brač probieren, kreative Interpretationen lokaler Zutaten entdecken und echte familiäre Gastfreundschaft erleben könnt, können wir kaum eine bessere Adresse empfehlen.
Besonders positiv überrascht hat uns, wie fair die Preise für Essen und Wein sind, wenn man die Qualität der Zutaten, die Zubereitung und das gesamte Erlebnis berücksichtigt.
Vor eurem Besuch empfehlen wir unbedingt, die Öffnungszeiten und die Verfügbarkeit auf der Website und den Social-Media-Kanälen zu prüfen. Die Weinbar ist saisonal geöffnet und startet den Betrieb erst ab 17 Uhr. Außerdem finden regelmäßig private Veranstaltungen statt, durch die das Walk In Angebot eingeschränkt sein kann.




